Bezirksverband Marbach-Bottwartal
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Licht aus - Nacht an – Lichtverschmutzung und ihre Folgen

02. November 2026

Manuel Philipp von "Paten der Nacht" war zu Gast in Marbach

Wussten Sie, dass Nachtfalter auf dem Rücken einen Sensor haben, mit dem sie sich an der hellsten Lichtquelle ihrer Umgebung orientieren? Er ist „programmiert“, immer senkrecht zu dieser Lichtquelle zu stehen. Millionen von Jahren hat das für den Nachtfalter prima funktioniert, denn die hellste Lichtquelle war für ihn immer der Mond. Bis der Mensch kam mit seiner künstlichen Beleuchtung, die den Mond als hellste Lichtquelle ablöste. Das ist der Grund, warum Nachtfalter neben anderen Insekten oft bis zur Erschöpfung um künstliche Lichtquellen kreisen: sie kommen nicht mehr weg wegen ihrer genetischen Determination - nur eine der vielen Auswirkungen von nächtlicher Beleuchtung auf die Natur und auf uns Menschen. 

Der Physiker Manuel Philipp, Gründer der gemeinnützigen Organisation „Paten der Nacht“ und Träger des Bayerischen Umweltpreises, der auf Einladung von BUND Marbach-Bottwartal, des Tobias-Mayer-Vereins, der Nachhaltigkeitsgruppe und der NABU-Ortsgruppe Marbach am vergangenen Donnerstag zu Gast in der Stadthalle war, umriss in seinem Vortrag diese und weitere negative Auswirkungen künstlicher Beleuchtung für Natur und Mensch. Vögel z.B. können nachts bei Helligkeit ihren Stoffwechsel nicht, wie für eine Erholungsphase erforderlich wäre, absenken, für Fledermäuse z.B. bilden Lichtschneisen unüberwindliche Barrieren, die das Jagdrevier verkleinern, Zugvögel, wandernde Schmetterlingsarten und Käfer orientieren sich am Sternenhimmel, Bäume sind in ihrem natürlichen Vegetationsrhythmus gestört, wenn eine Lichtquelle in der Nähe ist, Licht mit hohem Blauanteil, z.B. bei LED-Leuchten, stört die Hormonbildung beim Menschen und kann zu Einschlafproblemen führen. Nicht zuletzt ist Lichtverschmutzung einer der größten Treiber des Insektensterbens. Und die Forschung steht hier noch am Anfang.

Wesentliche Auswirkungen auf der einen Seite, fortschreitende Überbeleuchtung auf der anderen: Rund alle 8 Jahre verdoppelt sich die nächtliche Himmelshelligkeit auf dem Planeten. Was also tun?

Philipp zeigte auf, dass gezielterer Einsatz von Licht das Beleuchtungsvolumen ohne Komfortverlust um ein Drittel reduzieren könnte. Dazu gehören Vermeidung von Streulicht, also Licht, das in den Himmel oder in die Umgebung strahlt statt auf den Gehweg, Beleuchtung dort, wo es notwendig ist, z.B. können Fahrradwege auch per Reflektorstreifen gesichert werden, Straßenbeleuchtung könnte bedarfsorientiert gedimmt und ebenso wie Gartenbeleuchtung per Bewegungsmelder gesteuert werden. Letzte sollte zumindest dann ausgeschaltet werden, wenn man den Garten verlässt. Das Anstrahlen öffentlicher Gebäude ist in Baden-Württemberg ohnehin in den Sommermonaten verboten, Leuchtreklame leider nicht.

Zum Thema „Sicherheitsgefühl“ wies Philipp darauf hin, dass Überbeleuchtung hier sogar einen gegenteiligen Effekt hat. Dabei spielt der Fackel-Effekt eine Rolle: Die Umgebung ist für das menschliche Auge nicht mehr wahrnehmbar, wenn es geblendet wird. Personen, die auf einer Linie unter Straßenlaternen laufen, bewegen sich praktisch „auf dem Präsentierteller“. Mehr Beleuchtung bedeutet deswegen nicht automatisch mehr Sicherheit.

Zum Abschluss seines informativen und spannenden Vortrags wies Philipp auf die von ihm ins Leben gerufene „Earth Night“ hin, die seit 2020 jährlich im September stattfindet. Zahlreiche Gemeinden beteiligen sich inzwischen und schalten in dieser Nacht ihre Straßenbeleuchtung aus, ein Schritt in die richtige Richtung.

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